Damià Pons
Associació d'Escriptors en Llengua Catalana
Antologia

3. Alemany

Brief

Ganz Mallorca asphaltiert man die Haut
und mit der trockenen Kruste bedeckt man den Wind.
Die Flammen sind verloschen und die Feuer sind jetzt Lampen.
In den Straßen ziehen Prozessionen der Hupen.
Bücherverbrennung zur Beleuchtung des Touristenballs.
Schwester Tomasseta singt auf ausländisch und trinkt Echsen.
Der heilige Alonso Rodríguez ist Parkwächter in Gomila.
Unsere Sprache hebt am Born Papier auf.
Der Gelehrte Joaquim Maria Bover eröffnet eine Imbiss-Stube in Can Pastilla.
Schwester Francinaina verkauft ihr Büßerhemd und kauft sich einen Gefrierschrank.
Unser König Jaume ist jetzt Taxifahrer
und Bernadet aus den Legenden arbeitet als Fremdenführer.
Im Parlament verbrennt Pater Garau immer noch Häretiker.
Im städtischen Museum zeigt man den Bikini unserer ersten Schwedin.
Von den alten Feuern bleiben Aschenhaufen.
Aufstand der Pinienwälder gegen die Bulldotzer.
Die Spiegel reflektieren Stille und Stille.
Alomar und Tomeu schneiden Grimassen in den Fernsehern.
Die Künstlergruppe vom Taller Llunàtic hat alle Buchten entführt.
Wenn wir die Kanalisation mit Blut füllen, finden wir unsere Abkunft.

(Aus: "Exercicis per a la desintegració (1972 - 1974)" [Übungen zur Desintegration]. In: Els mapes del desig, [Die Landkarten des Verlangens] 2001, S. 50)

* * *

12

Es verblassen die Bilder des Fests.
Heim kehrt die Trauer in Begleitung von Schwertern.
Auf der Feuerstelle verbrennt der Hahnenschrei,
das Lager befleckt von gelben Spuren.
In der Küche beschlagen die Tassen,
in der Vorratskammer verfaulen die Früchte.
Kein Wort hängt sich an die Stirn der Luft
und in den Ecken des Zimmers trocknet der Mais.
Rost frisst an den Stühlen
(wohin soll das Verlangen nach dem Spiel sich setzen?),
und die Ratten wandern aus in hellere Gegenden.
Die Bäume der Umzäunung machen ein paar Schritte vorwärts
und hoffen, dass der Orkan sie entwurzelt.
Auf dem Tisch ein mürber Kuss
und ein festlicher Ton, zerschlagen wie eine Nuss.

In diesem Jahr gibt es keine Luftschlangenernte.

(Aus: "Mapa del desig (1973 - 1974)" [Landkarte des Verlangens]. In: Els mapes del desig, [Die Landkarten des Verlangens] 2001, S. 64)

* * *

1936

1936: Erschießung der Horizonte.
Nächtliche Straßen
besetzt von Pistolen im Anschlag:
eins nach dem andern werden alle Gespenster erlegt.
Die Ratten herrscheln in den Palästen und auf den Plätzen
vermischen die Ideen sich mit Pisse.
In irgendeiner Vagina, unter Müll, zwischen den Haaren
einer Achsel suchen die Männer dunkles Versteck,
während sie die Schritte der gierigen Jäger hören,
die der Spur der Kaninchen folgen.
Verbrannte Gedanken in den häuslichen Kaminen,
Bleichmittel waschen Hemden und Hirne,
Fetzen der Vergangenheit, dem Gedächtnis des Raums entrissen.
Alle Ohren Feinde. Die Wörter von gestern
verfolgt durchs Papier und durch die Wände.
Die Gegenwart denunziert ihre eigene Vergangenheit.
Die Geschlechter unterdrücken ihre nächtlichen Bewegungen
in der Furcht, dass das Auge des Betttuchs spricht.

Eine verirrte Kugel ermordet dieses Gedicht.

(1977)

(Aus: "Territoris d’incògnites (1977 - 1985)"[Gebiete des Unbekannten ]. In: Els mapes del desig, [Die Landkarten des Verlangens], 2001, S. 84)

* * *

Und doch vergessen die Götter nie

Und doch vergessen die Götter nie,
im Herbst der Jahre die Bäume zu entkleiden.

Und jeden Tag zwingt ein unwiderrufliches Gesetz die Sonne
im entfernten Horizont zu versinken, blutendzündet.
Und jene zarte Haut wird eines Tages faltig.
Und jenes Geschlecht, so geschaffen für die Erfreuung der Sinne,
wird einschlafen. Und jedes Stück des Körpers wird ein dürres Feld
und die Augen zwei leere Tassen, voller Sehnsucht nach dem Wein,
der die Muskeln tanzen ließ beim Spiel der Betttücher.

(29. November 1992)

(Aus: "Rastres (1990 - 2000)" [Spuren]. In: Els mapes del desig, [Die Landkarten des Verlangens], 2001, S. 105)

Übersetzung aus dem Katalanischen von Claudia Kalász ©





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