Autors i Autores

Carles Batlle

Representació de Temptació, a Tübigen (Alemanya). Desembre 2005.
Representació de Temptació, a Tübigen (Alemanya). Desembre 2005.

Deutsch

(More information in german cab be found un the sections "Obres traduïdes" and "Entrevistes")


Carles Batlle (Barcelona) Theaterautor. Von seinen Stücken sind besonders hervorzuheben: Temptació, das erstmals 2004 am Katalanischen Nationaltheater und am Wiener Burgtheater aufgeführt und außerdem in Frankreich und Deutschland gespielt wurde – das Stück wurde bislang in 10 Sprachen übersetzt; Combat (1995-98), in mehreren europäischen und amerikanischen Ländern aufgeführt und als Buch veröffentlicht; Suite (1999, Preis der Societat General d'Autors d'Espanya), in Frankreich und Italien als Buch veröffentlicht; Oasi (2001, mit dem Theaterpreis Josep Amatller 2002, die deutsche Übersetzung erhielt den Übersetzerpreis der Stadt Bremen; Trànsit (2006-2007), uraufgeführt an der Sala Beckett in Barcelona und auf dem Festival Temporada Alta in Girona 2007, wurde in mehrere Sprachen übersetzt; und Oblidar Barcelona, das 2008 den renommierten Theaterpreis „Premi Born“ erhielt.

Kàrvadan. La llegenda de l'impostor, ein Roman in Katalanisch und Spanisch veröffentlicht wurde im 2012, ist der erste Band einer Trilogie von abenteuer, befindet sich in der Pyrenäen-Region von Alta Garrotxa. Es wurde gefolgt von Sota l'ombra del drac de pedra (2014) und De la sang dels blaus (2016).

Er ist der Chefredakteur der Theaterzeitschrift Pausa. Zwischen 2003 und 2009 war er Leiter der Werkstatt des „Obrador“ an der Sala Beckett. Außerdem war er Pate des Festivals „Neue Stücke aus Europa“ in Wiesbaden. Von 1998 bis 2005 war er Mitglied des dramaturgischen Beirats am Katalanischen Nationaltheater und 2003 bis 2004 Hausautor des Theaters. 2004 wurde er mit seinem Stück Versuchung auf den Stückemarkt der Berliner Theatertreffens eingeladen. Er arbeitet außerdem als Professor für Dramaturgie am Institut del Teatre in Barcelona und an der Autonomen Universitat in Barcelona. Derzeit ist er Direktor der Kulturabteilung des Institut del Teatre. Seine Doktorarbeit über Adrià Gual's symbolistisches Theater erhielt 2002 den Serra d'Or Kritikerpreis.

Carles Batlle ist Mitglied der Associació d'Escriptors en Llengua Catalana.


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Carles Batlle ist in Barcelona geboren. Er gehört zu einer Gruppe gleichaltriger Autoren, die dem katalanischen Drama neue Impulse und - jeder auf seiner Weise – ein unverwechselbares Gesicht gegeben haben. Die meister von ihnen sind Schüler des Dramatikers und Regisseurs José Sanchis Sinisterra, der seit 1971 u.a. am Theater-Institut in Barcelona lehrt und seit 1988 mit der Sala Beckett ein experimentelles Theater-Labor gründete. Heute unterrichtet Batlle selbst am Theater-Institut. Darüberhinaus ist er involviert in das von Sergi Belbel geleitete "T-6"-Programm des Katalanischen Nationaltheaters (zu dessen Beratungsgremium er gehört), das alljährlich sechs ausgewählte junge Theaterautoren betreut und aufführt. Es hängt sicher mit diesen pädagogischen Aktivitäten zusammen, dass sich Batlle auch theoretisch mit dem Schreiben und den Vermittlungsprozessen zwischen Text/Theater und Zuschauer (u.a. in einer Reihe von Essays) auseinandersetzt.

"Alles was ich beim Schreiben probiere, kommt auch zur Anwendung, wenn ich theoretisch arbeite. Mich interessiert besonders das Konzept des ‚impliziten Empfängers’, das den Betrachter schon in den Schreibprozess einbezieht. Ich glaube an ein Theater, das Emotionen hervorruft, und versuche deshalb, eine Rhetorik der Gefühle zu entwickeln". (Dieses und die folgenden Zitate aus einem Interview mit Katrin Michaelis in "Theater der Zeit", Juni 2004). Er versteht darunter einen Wechsel von Identifikation und Ablehnung, der im Zuschauer zu einem inneren Widerspruch führt, der jedoch produktiv auf das Verstehen wirkt. Im Zusammenhang damit steht, dass er häufig Monologe einsetzt: "Ich glaube, bei einem Monolog geht der Zuschauer davon aus, dass die Figur die Wahrheit sagt. Hier kann der Autor das Publikum überraschen: es muss erkennen, dass es sich auf überhaupt nichts verlassen kann. Wir manipulieren ja ständig unsere Erinnerungen, um ein Bild unseres Lebens zu fabrizieren, mit dem wir zufriedener sind. Diese Notwendigkeit, die Realität zu manipulieren, ist eines der Themen meines Stückes [Versuchung]." Auch hier soll sich ein dialektischer Prozess beim Zuschauer vollziehen: "Das aus der Manipulation der Wahrheit resultierende Missverständnis und schließlich das Erkennen der Wahrheit". Damit hängt Batlles Konzept des "relativen Dramas" zusammen. Es ist die "Idee", "ein Stück mit einem dramaturgischen Spiel, einer Strategie zu schreiben, das die aktive Teilnahme des Publikums ermöglicht. Es ist der Zuschauer, der Schlussfolgerungen ziehen muss. Die Aufgabe des Autors ist meines Erachtens nicht, Lehren zu erteilen, sondern einen neuen Blick auf die Realität zu eröffnen". Eine Realität, die von den aktuellen sozialen und politischen Problemen Europas geprägt ist. Dabei lässt er sich von dokumentarischem Material inspirieren – als Ausgangspunkt für das Konstruieren von Geschichten. Diese Inhalte seiner Stücke – inzwischen sind es mehr als zehn – kreisen letztlich immer wieder um seine zentralen Themen, Heimat, Auswanderung, Exil, Integration, Verlust oder Bewahrung von Identität.

Seine Stücke, die fast alle in Spanien publiziert, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und in Barcelona uraufgeführt sind, haben Aufführungen und Lesungen u.a. auch in Frankreich, Luxemburg, Österreich und Deutschland gefunden. So wurden Suite 2000 bei der BONNER BIENNALE und Oase 2004 am Bremer Theater in Lesungen vorgestellt. Kampf. Landschaft danach kam 2003 am Theater Augsburg zur Deutschsprachigen Erstaufführung. Das Stück erzählt die Geschichte einer Frau, die während eines Bürgerkrieges irgendwo in Europa alles verloren hat und in den sexuellen Beziehung zu Soldaten findet. Eine Überlebens-Strategie, die im Moment des Kriegsendes zusammenbricht. Versuchung erlebte seine Deutschsprachige Erstaufführung im Dezember 2004 am Burgtheater Wien. Batlle schrieb dazu, dass er bei dem Stück von einer spanischen Zeitungsnotiz ausging, in der es hieß, dass die Polizei die Familie eines Mannes suche, der tot und ohne Papiere auf der Straße gefunden wurde. "Es könnte ein Bettler oder ein illegaler Einwanderer sein. Warum sucht ihn die Familie nicht? Ich stelle mir dazu eine Geschichte vor: Die Tochter des Toten erfährt, dass ihr Vater überfahren wurde. Wenn sie nun Anspruch auf den Körper erhebt, um ihn zu begraben, wie es die Tradition verlangt, dann wird sie, die ja auch illegal ist, gezwungen in ihr Land zurück zu gehen. Ein Dilemma wie in 'Antigone': Entweder begräbt sie ihren Vater oder sie hat eine Zukunft in diesem Land".

(Inside "Obra", "Comentaris d'obra" and "Entrevistes" you can find information in other languages)

Text per a "New Plays From Europe. 2010 Theaterbiennale. Wiesbaden".


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batllecarles@hotmail.com